MINIRIN® Injektionslösung

Zusammensetzung

Wirkstoffe

Desmopressinacetat

Hilfsstoffe

Natrii chloridum (corresp. Natrium 3,54 mg/ml), Acidum hydrochloridum, Aqua ad iniectabile.

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung: 1 Ampulle (=1 ml) enthält 4 µg Desmopressinacetat, entsprechend 3,56 µg Desmopressin pro 1 ml. Zur intravenösen oder intramuskulären Anwendung.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Diabetes insipidus centralis, Polyurie, Polydipsie nach Hypophysektomie bzw. Operationen im Hypophysenbereich.

Untersuchung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren (Diagnostik des Diabetes insipidus).

Dosierung/Anwendung

Minirin Injektionslösung kann intravenös oder intramuskulär angewendet werden.

Diabetes insipidus centralis, Polyurie, Polydipsie nach Hypophysektomie bzw. Operationen im Hypophysenbereich

Die Injektionslösung kann angewendet werden, wenn die intranasale oder orale Anwendung als ungeeignet angesehen wird.

Zu Beginn der Behandlung muss die optimale Dosierung vom Arzt individuell durch Bestimmung der Harnmenge und Harnosmolalität ermittelt werden. Die Therapie sollte sich an zwei Parametern ausrichten: einer adäquaten Schlafdauer und einer ausgewogenen Wasserbilanz. Bei Anzeichen von Wasserretention/Hyponatriämie muss die Behandlung unterbrochen und die Dosierung angepasst werden.

Erwachsene: 1-4 µg Desmopressinacetat (0,25-1,0 ml) 1-2 mal täglich.

Jugendliche und Kinder ab 1 Jahr: 0,1-1 µg Desmopressinacetat (0,025-0,25 ml) 1-2 mal täglich.

Säuglinge im ersten Lebensjahr: Die Erfahrungen mit Kindern unter 1 Jahr sind begrenzt. Vorsichtige Einstellung mit 0,05 µg Desmopressinacetat (0,0125 ml) beginnend.

 

Verdünnungstabelle:

Verdünnung mit isotonischer, steriler, pyrogenfreier Natriumchloridlösung:

Zur Verabreichung von:

1 Ampulle verdünnen mit:

Gesamtmenge
Lösung:

Lösungsmenge zur
Injektion

¼ Ampulle

3 ml NaCl-Lsg.

4 ml

1 ml

1/40 Ampulle

39 ml NaCl-Lsg.

40 ml

1 ml

1/80 Ampulle

79 ml NaCl-Lsg.

80 ml

1 ml

 

Untersuchung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren

Die Untersuchung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren mit Minirin bei Säuglingen im ersten Lebensjahr sollte nur unter Klinik-Bedingungen und unter sorgfältiger Überwachung durchgeführt werden.

Zur Bestimmung der Nierenkonzentrationsfähigkeit werden folgende Einzeldosen empfohlen:

Erwachsene: 4 µg Desmopressinacetat (1 ml).

Jugendliche und Kinder ab 1 Jahr: 1-2 µg Desmopressinacetat (0,25-0,5 ml).

Säuglinge unter 1 Jahr: 0,4 µg Desmopressinacetat (0,1 ml). 

 

Der Kurztest wird vorzugsweise morgens durchgeführt. Die Flüssigkeitsaufnahme muss 1 Stunde vor bis 8 Stunden nach der Gabe auf maximal 0,5 Liter zur Durstlöschung beschränkt werden.

Vor Testbeginn sollte die Osmolalität des Urins bestimmt werden. Der innerhalb der ersten Stunde nach Desmopressin-Gabe gewonnene Sammel-Urin wird verworfen. Während der nächsten 8 Stunden werden 2 Urinproben genommen (vorzugsweise nach etwa 2 und 4 Stunden). In den beiden Urinproben wird die Osmolalität ermittelt. Zur Bestimmung der renalen Konzentrationsfähigkeit wird dann der höhere Wert mit dem Ausgangswert vor Testbeginn oder dem altersspezifischen Referenzwert (Erwachsene 800-1000 mOsm/kg) verglichen. Erniedrigte Werte, ein fehlender oder nur geringer Anstieg der Urinosmolalität deuten auf eine eingeschränkte Nierenkonzentrationsfähigkeit hin. Eine durch zentralen Diabetes insipidus bedingte Polyurie liegt vor, wenn die Urinosmolalität deutlich ansteigt und das Urinvolumen deutlich abnimmt.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit moderater oder schwerer Niereninsuffizienz ist Minirin Injektionslösung kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»).

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Da Desmopressin kaum hepatisch metabolisiert wird, ist bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen keine Dosisanpassung erforderlich.

Ältere Patienten

Minirin wurde bei Patienten >65 Jahre nicht spezifisch untersucht. Auf der Basis der langjährigen Erfahrung ist jedoch nicht zu erwarten, dass eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter erforderlich ist. Die Anwendung von Minirin sollte in dieser Altersgruppe jedoch unter besonderer Vorsicht erfolgen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

§primäre oder psychogene Polydipsie (mit einer Urinproduktion von >40 ml/kg/24 h);

§instabile Angina pectoris in der Anamnese und/oder bekannte oder vermutete Herzinsuffizienz sowie andere Erkrankungen, die eine Behandlung mit Diuretika erfordern;

§Hyponatriämie;

§moderate oder schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <50 ml/min);

§Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH);

§schweres klassisches von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (Typ IIb), Patienten mit 5% Faktor VIII-Aktivität, Faktor VIII-Antikörpern;

§Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Organische Ursachen für eine Polyurie, gesteigerte Miktionsrate oder Nykturie wie benigne Prostatahyperplasie (BPH), Harnwegsinfekte, Blasensteine bzw. -tumore, Störungen des Blasensphinkters, Polydipsie oder unzureichend behandelter Diabetes mellitus sollten ausgeschlossen oder entsprechend behandelt werden. Eine Nebennieren- oder Schilddrüseninsuffizienz muss vor Beginn der Desmopressintherapie ausgeschlossen bzw. adäquat behandelt werden.

Schwere Blasenfunktionsstörungen oder eine Blasenauslassobstruktion müssen vor Beginn der Behandlung eines Diabetes insipidus ausgeschlossen werden.

Nach der Marktzulassung wurden im Zusammenhang mit der Injektion von Minirin Überempfindlichkeitsreaktionen berichtet wie Erythem, Hautausschlag, Urtikaria, Pruritus, Dyspnoe und lokale (peripher, im Gesicht) oder generalisierte Ödeme. Auch über schwerwiegendere Überempfindlichkeitsreaktionen wie anaphylaktischen Schock und anaphylaktoide Reaktionen wurde berichtet. Überempfindlichkeitsreaktionen wurden in der Regel rasch nach der Verabreichung des Arzneimittels beobachtet und können sowohl bei der erstmaligen Anwendung als auch nach wiederholter Gabe von Minirin auftreten.

Bei übermässiger Flüssigkeitszufuhr sowie bei Anwendung von zu hohen Dosen können durch Wasserretention Gewichtszunahme, Hyponatriämie, Krampfanfälle, Hirnödem und Koma auftreten.

Eine Behandlung mit Desmopressin kann ohne gleichzeitige Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr zu einer Wasserretention und/oder Hyponatriämie führen. Eine Hyponatriämie kann asymptomatisch sein oder mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Ödemen und Gewichtszunahme einhergehen. In schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen, Hirnödem und Koma kommen. Die Flüssigkeitsaufnahme sollte daher so weit wie möglich eingeschränkt und das Körpergewicht regelmässig kontrolliert werden.

Falls es zu einer sukzessiven Gewichtszunahme kommt, der Natriumspiegel im Serum auf Werte <130 nmol/l abfällt oder die Plasmaosmolalität unter 270 mOsm/kg sinkt, muss die Flüssigkeitsaufnahme stark reduziert und die Verabreichung von Minirin Injektionslösung unterbrochen werden.

Die Wirkungsdauer nimmt mit höheren Dosierungen zu, wodurch auch das Hyponatriämierisiko mit der Dosis steigt. Die Dosis soll daher stets von unten nach oben titriert werden.

Patienten bzw. im Falle von Kindern deren Eltern sind darauf aufmerksam zu machen, dass eine übermässige Flüssigkeitsaufnahme zu vermeiden ist und dass bei Erbrechen, Diarrhoe, Fieber, Gastroenteritis oder systemischen Infektionen die Anwendung von Desmopressin so lange zu unterbrechen ist, bis sich der Flüssigkeitshaushalt wieder normalisiert hat. Bei solchen Erkrankungen muss der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sorgfältig überwacht werden.

Bei Kindern unter 5 Jahren und älteren Patienten (>65 Jahre) sowie bei Patienten, welche bereits vor Behandlungsbeginn niedrige Natriumspiegel aufweisen, kann das Risiko für eine Hyponatriämie erhöht sein. Bei Patienten >65 Jahre soll daher das Serum-Natrium vor Beginn der Therapie sowie 3 Tage nach Therapiebeginn oder nach einer Dosissteigerung bestimmt werden. Beim Auftreten von Kopfschmerzen und/oder Nausea muss die Behandlung abgebrochen werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, welche ebenfalls die Wasser- und/oder Natriumhomöostase beeinflussen, ist besondere Vorsicht geboten (siehe «Interaktionen»). In solchen Fällen ist eine Reduktion der Flüssigkeitsaufnahme und eine häufigere Überwachung des Serumnatriums besonders wichtig, um das Risiko einer Hyponatriämie bzw. Wasserintoxikation zu reduzieren. Dies gilt für:

§Arzneimittel, welche bekanntermassen ein SIADH herbeiführen (trizyklische Antidepressiva, Opioide, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Chlorpromazin, Chlorpropamide und Carbamazepin);

§NSAIDs.

In diesen Fällen muss vor der Anwendung von Minirin der individuelle Ausgangswert des Natriums bestimmt werden.

Eine Hyponatriämie unter Anwendung von Desmopressin ist reversibel. Die Behandlung sollte individuell angepasst und eine schnelle Überkorrektur vermieden werden, um das Risiko weiterer Komplikationen zu reduzieren.

Desmopressin sollte mit besonderer Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit zystischer Fibrose, koronarer Herzkrankheit, Hypertonie, Thromboseneigung, chronischen Nierenerkrankungen, Prä-Eklampsie, erhöhtem intrakraniellen Druck oder mit Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes.

Bei Patienten mit Hypertonie oder chronischen Nierenerkrankungen können die unter «Unerwünschte Wirkungen» genannten Symptome verstärkt auftreten.

Bei sehr jungen und bei älteren Patienten sowie bei Vorliegen von Risikofaktoren für eine Erhöhung des intrakraniellen Drucks muss beim Einsatz von Minirin besonders sorgfältig darauf geachtet werden, dass keine Wasserretention auftritt.

Nach der Markteinführung wurde im Zusammenhang mit der parenteralen Anwendung von Desmopressin über Fälle von tiefen Beinvenenthrombosen, Angina pectoris, akutem Myokardinfarkt und zerebrovaskulären Ereignissen (ischämischem Schlaganfall) berichtet, insbesondere bei Anwendung in hämatologischen Indikationen (für Minirin Injektionslösung nicht zugelassen). Dies sollte insbesondere bei älteren Patienten sowie bei Vorliegen von Risikofaktoren für venöse oder arterielle thromboembolische Erkrankungen (einschliesslich entsprechender Ereignisse in der Anamnese) bei der Nutzen-Risiko-Abwägung berücksichtigt werden.

Bei hohen Dosen kann es zu einem vorübergehenden Blutdruckabfall mit Flush und reflektorischer Tachykardie kommen.

Minirin Injektionslösung enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro ml, d.h. es ist nahe «natriumfrei».

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen

Klinische Interaktionsstudien mit Desmopressin wurden nicht durchgeführt. Da Desmopressin jedoch nicht in relevantem Umfang hepatisch metabolisiert wird, sind entsprechende Interaktionen unwahrscheinlich.

Pharmakodynamische Interaktionen

Verstärkung der antidiuretischen Wirkung

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln mit Einfluss auf die Wasser- und Natriumhomöostase kann die antidiuretische Wirkung von Desmopressin verstärkt und damit das Risiko einer Wasserretention und/oder Hyponatriämie erhöht werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Hierzu gehören z.B. Opioide, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), trizyklische Antidepressiva, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs), Carbamazepin und Chlorpromazin sowie einige Antidiabetika vom Sulfonylharnstoff-Typ.

Auch bei gleichzeitiger Anwendung von Oxytocin ist eine Verstärkung des antidiuretischen Effektes von Desmopressin möglich. Gleichzeitig ist mit einer Abschwächung der Uterusdurchblutung zu rechnen.

Bei gleichzeitiger Anwendung dieser Arzneimittel ist besondere Vorsicht geboten, und Blutdruck, Natriumspiegel im Serum und Harnausscheidung sollten überwacht werden.

Verringerung der antidiuretischen Wirkung

Glibenclamid und Lithium können die antidiuretische Wirkung von Desmopressin reduzieren.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft

Die vorliegenden Daten bei einer begrenzten Anzahl (n=53) schwangerer Frauen mit Diabetes insipidus sowie Daten bei Schwangeren mit Blutungskomplikationen (n=216) zeigten, dass Desmopressin keine negativen Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf oder den Gesundheitszustand des Foeten oder Neugeborenen hat. Bis heute liegen keine weiteren relevanten epidemiologischen Daten vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf eine Reproduktionstoxizität.

Bei der Anwendung während der Schwangerschaft ist dennoch Vorsicht geboten.

Da sich der Dosisbedarf bei der Behandlung des Diabetes insipidus während der Schwangerschaft verändern kann, ist die Dosis den individuellen Erfordernissen anzupassen. Eine Blutdrucküberwachung wird empfohlen.

Stillzeit

Desmopressin tritt nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über. Unter den empfohlenen Dosierungen sind daher keine Auswirkungen auf den gestillten Säugling zu erwarten. Minirin kann während der Stillzeit angewendet werden.

Fertilität

Es liegen keine Daten über mögliche Auswirkungen von Desmopressin auf die Fertilität beim Menschen vor.

Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der männlichen und weiblichen Fertilität.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt. Die unter parenteraler Anwendung von Desmopressin beobachteten unerwünschten Wirkungen wie Schwindel sind jedoch zu beachten (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

 

Unerwünschte Wirkungen

Die während der Marktüberwachung am häufigsten berichtete unerwünschte Wirkung von Desmopressin ist eine Hyponatriämie. Diese kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Malaise, Abdominalschmerzen, Muskelkrämpfen, Schwindel, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung und lokalen (peripher, Gesicht) oder generalisierten Ödemen sowie in schweren Fällen zu Konvulsionen, Hirnödem oder Koma führen. Dies gilt insbesondere für Kinder im ersten Lebensjahr sowie für ältere Patienten, abhängig von ihrem Allgemeinzustand (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach MedDRA-Systemorganklassen und Häufigkeit aufgeführt, welche in klinischen Studien und/oder während der Marktüberwachung unter parenteraler Anwendung von Desmopressin beobachtet wurden. Die Häufigkeiten sind dabei wie folgt definiert: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1’000, <1/100); selten (≥1/10’000, <1/1’000); sehr selten (<1/10’000); nicht bekannt (basierend überwiegend auf Spontanmeldungen aus der Marktüberwachung, genaue Häufigkeit kann aus den verfügbaren Daten nicht abgeschätzt werden).

Erkrankungen des Immunsystems

Nicht bekannt:  Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Exanthem, Pruritus, Bronchospasmus), anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr selten: Hyponatriämie

Nicht bekannt: Wasserintoxikation

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig:  Kopfschmerzen

Selten: Schwindel, Krampfanfälle infolge Hyponatriämie, Hirnödem

Herz- und Gefässerkrankungen

Häufig: Tachykardie, Flush, Hypotonie

Diese unerwünschten Wirkungen wurden insbesondere bei Gabe hoher Dosen beobachtet und waren im Allgemeinen transient.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: abdominale Schmerzen (auch krampfartig), Übelkeit, Diarrhoe, Erbrechen

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Fatigue

Bei Anwendung von Desmopressin in hämatologischen Indikationen wurde ausserdem über thromboembolische Ereignisse berichtet (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Sicherheit bei pädiatrischen Patienten

Daten zu unerwünschten Wirkungen aus klinischen Studien bei Kindern sind sehr begrenzt.

 

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Eine Überdosierung von Desmopressin führt zu einer verlängerten Wirkungsdauer mit einem erhöhten Risiko einer Wasserretention und Hyponatriämie. Die oben erwähnten unerwünschten Wirkungen treten verstärkt auf. Eine Überdosierung kann insbesondere bei der unvorsichtigen Einstellung von Kleinkindern auftreten.

Behandlung

Es existiert kein spezifisches Antidot, die Therapie erfolgt symptomatisch. Obwohl die Behandlung der Hyponatriämie individuell gestaltet werden soll, können die folgenden allgemeinen Empfehlungen gegeben werden:

Bei asymptomatischer Hyponatriämie wird die Therapie mit Desmopressin abgebrochen und die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt. Bei symptomatischer Hyponatriämie können zusätzlich Infusionen von isotonischer oder hypertonischer Kochsalzlösung gegeben werden. Im Falle eines Hirnödems ist eine sofortige Einweisung zur Intensivtherapie notwendig. Konvulsionen im Kindesalter bedürfen ebenfalls Intensivmassnahmen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code

H01BA02

Wirkungsmechanismus

Desmopressin ist ein Analogon des menschlichen Hypophysenhinterlappenhormons Arginin-Vasopressin, bei welchem eine Aminogruppe des Cysteins (in Stellung 1 des Peptids) entfernt und L-Arginin (in Position 8) durch D-Arginin ersetzt wurde. Damit wird im Vergleich zum nativen L-Arginin-Vasopressin eine wesentliche Verlängerung der antidiuretischen Wirkung erreicht, während der vasopressorische Effekt bei therapeutischer Dosierung stark reduziert wird.

Die antidiuretische Wirkung nach intravenöser oder subkutaner Gabe von 1 µg Desmopressin hält 5-20 Stunden an.

Minirin steht in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung. Die pharmakologischen Eigenschaften sind dabei unabhängig von der Darreichungsform.

Pharmakodynamik

Siehe Wirkungsmechanismus.

Klinische Wirksamkeit

Keine Daten vorhanden.

Pharmakokinetik

Absorption

Die systemische Verfügbarkeit von intravenös verabreichtem Desmopressin ist nahezu vollständig. Die tmax beträgt bei i.v.-Anwendung weniger als 20 Minuten.

Distribution

Das Distributionsvolumen beträgt 0,3-0,5 l/kg. Desmopressin passiert die Blut-Hirn-Schranke nicht. Desmopressin tritt in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über und ist bei Anwendung in der empfohlenen Dosierung nicht plazentagängig.

Metabolismus

Desmopressin wird nur zu einem geringen Anteil hepatisch metabolisiert.

Elimination

Die Gesamt-Clearance wurde für Desmopressin mit 7,6 l/h berechnet. Bei gesunden Probanden wurden 44-60% unverändert mit dem Urin ausgeschieden. Die Plasma-Halbwertszeit von Desmopressin liegt zwischen 3 und 4 Stunden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es bestehen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im pharmakokinetischen Verhalten von Desmopressin.

Präklinische Daten

Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Verabreichung, Gentoxizität und Reproduktionstoxizität lassen die präklinischen Daten keine besondere Gefahr für den Menschen erkennen. Es wurden keine Studien zum karzinogenen Potential durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Haltbarkeit nach Anbruch

Die Injektionslösung enthält kein Konservierungsmittel. Aus mikrobiologischen Gründen ist die gebrauchsfertige Injektionslösung unmittelbar nach Anbruch zu verwenden. Restmengen sind zu verwerfen.

Besondere Lagerungshinweise

Im Kühlschrank (2-8°C) lagern. Nicht einfrieren. In der Originalverpackung vor Licht geschützt aufbewahren.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Das Volumen einer Ampulle erlaubt die Entnahme und Verabreichung einer Dosis bis zu 1,0 ml (4 µg) Injektionslösung.

 

Zulassungsnummer

43585 (Swissmedic).

 

Packungen

Minirin Injektionslösung: 4 µg Amp, 10 × 1 ml. B

 

Zulassungsinhaberin

Ferring AG, 6340 Baar

 

Stand der Information

Februar 2024